Rudolf Pötters
BY THE SEA

Bilder und Skulpturen

Eröffnung: 21.Oktober 2010 um 19 Uhr
22.10 bis 21.11.2010
Besichtigung nach tel. Ver. 0650 922 55 70





















It’s all in Your Mind. Anmerkungen zur künstlerischen Arbeit von Rudolf Pötters

von Lucas Gehrmann

Ein Kaffeehausgarten-Sonnenschirm landet stangenlos auf einem überdimensionierten (Unter-)Tassen-Untersetzer, ein Skatebord á la Buddelschiff in einer 100-Liter-Flasche, ein Daumennagel erhält zwei Scheibenwischer und ein Abfallbeutel wird mit einer Kravatte zugeschnürt … . Rudolf Pötters bringt uns vertraute, alltägliche Dinge objekthaft, fotografisch oder zeichnerisch in neue, bisweilen nützliche und ebenso oft nutzlose Zusammenhänge – womöglich so, wie einst Isidore Ducasse (gen. Comte de Lautréamont) in seinem von den Surrealisten geliebtem Satz des „zufälligen Zusammentreffens einer Nähmaschine und eines Regenschirms auf einem Seziertisch“ Alltägliches ironisch und mit absurder Komik bildhaft und assoziativ verbunden hat.1 Weswegen Pötters aber nicht zwingend in die Nachfolge der Surrealisten einzuordnen ist – viel eher bedient er ist sich – so wie manche andere Zeitgenossen auch – (mit den Worten von Thomas Zaunschirm) einer nur „quasisurrealistischen Methode. Er benützt das Inventar der Welt als Spielzeug. Die Spielregeln sind allerdings nicht sofort offensichtlich.“2

Ein anderes Wort für Rudolf Pötters‘ kombinatorische Arbeitsweise wäre die des „Samplings“. Insofern Sampling spätestens seit er so genannten Postmoderne eine der Zeit und ihren Technologien adäquate Methode der Kunst-Produktion ist, geht es längst nicht mehr um Fragen der Originalität/Authentizität im Sinne künstlerischer Invention oder gar Innovation. Vielmehr zählt: „Künstler übertreten immer leichter die vormals scharf gezogenen Grenzen zwischen Kunst und Forschung und entwickeln eine Praxis, die sich einer eindeutigen Kategorisierung, Kommerzialisierung und auch dem klassischen Ausstellungsbetrieb der Kunstinstitutionen verweigert. Künstler und Gestalter, die an dieser Schnittstelle von Kunst und Forschung arbeiten, stellen somit wichtige Fragen, welche die Wissenschaft alleine weder stellen noch beantworten würde.“3

Rudolf Pötters arbeitet in diesem Sinne nicht nur solistisch als Künstler, er arbeitet vielmehr sowohl „im Kollektiv“ (z.B. mit Kathrin Delhougne) als auch als Ko-Kurator für und mit anderen KünstlerInnen (z.B. Ausstellungsraum Kunsthalle Meidling, Wien). Somit geht es in seiner eigenen als auch in der dazugehörenden kommunikativen Arbeit letztlich um eine „multiperspektivische“ Betrachtung nicht allein der künstlerischen Produktion, sondern mittels dieser auch von „Welt“. Etwa in diesem Sinne: „Auch in der Kunst wird laut Bachtin spätestens mit Dostojewski, aber wahrscheinlich schon mit Sterne und Carroll die Multi-Zentrizität und Relativität der Stil-Einheit des Werkes eingeleitet. Nonsens und Sens, Zeitkonstruktionen der Relativität, das Vorbewusste, Gegenwärtiges und Vergangenes, das Denken und Fühlen ... alle Dimensionen menschlichen Erlebens werden in ihrer ästhetischen Dimension Quelle und Ergebnis des künstlerischen Schaffens. Die KünstlerInnen schaffen damit eine Sinnes-/Erkenntnismaschine für diejenigen Menschen, welche sich jeweils dieses Werkzeuges je nach eigenen Fähigkeiten und ästhetischem Erlebnisfundus bedienen können. Das Verhältnis ist: Realität – ästhetische Bewertung der Realität – Konstruktion der künstlichen Realität auf Basis des Ästhetischen mit den spezifisch immanenten Mitteln des Produktes (der Form).“4

It’s all in Your Mind, betitelt Pötters eine seiner Arbeiten – vielleicht, um damit den Horizont zu öffnen, der unsere erlernte Sicht auf die Welt als Kugel um die auf die Sicht der Welt als Scheibe, deren Mittelpunkt jedes Ich von uns stets ist, erweitert.

1 Die Gesänge des Maldoror (Les Chants de Maldoror), 1874, 6. Gesang – von Man Ray in seiner Fotografie The Enigma of Isidore Ducasse (1920) in ein mit Sackleinen verschnürtes Paket „übersetzt“ (vergl. beiläufig Pötters: Air Boy, 2005).

2 Thomas Zaunschirm, Der österreichische Maler – Über Peter Sengl, s. www.petersengl.at/index.php?id=11&L=1

3 Susanne Jaschko, „Hybrid Encounters. Kunst und Forschung zwischen DNA und Programmiercode.“ Lecture-Performance-Reihe in der Muffat-Halle München, Winter 2008/09.

4 Reinhold Sturm, Der „Virtuelle Realismus“ als post-postmoderne Aufhebung der realistischen Kunst der Moderne, in: mel-art, 31. 1. 2009, http://mel-art.over-blog.de/article-27391761.html


Rudolf Pötters

geboren 1968 in Geldern (D)
2000-2004 Studium der Bildenden Kunst an der Academie voor Beeldende Kunst & Vormgeving
in Arnhem, Niederlande

Lebt und arbeitet seit 2004 in Wien

mehr zu Rudolf Pötters hier









3 Kommentare:

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